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Neues Trittsteinbiotop an der Fuhse

Naturschutzmaßnahmen des Barben-Projektes in der Stadt Celle

Bei der Bauabnahme zeigten sich alle Beteilig- ten sehr zufrieden mit dem Ergebnis (v.l.n.r.: Steffen Hipp, Unterhal- tungsverband Fuhse-Aue-Erse, Norman Rohr- passer und Markus Poensgen, Stadt Celle).

Der Einbau von Stamm- holz, Kies und Totholz schafft auf kleinem Raum eine Vielzahl wichtiger Lebensräume und erhöht die Tiefen- und Strömungsvielfalt.

Im Rahmen des Projektes „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ hat die Aktion Fischotterschutz e.V. in der Fuhse im Süden der Stadt Celle mit Kies, Totholz und Baumpflanzungen neue Lebensräume für eine Vielzahl von Tierarten und Laichplätze für kiesliebende Fischarten, wie z.B. die Barbe, geschaffen.

Wie so viele Fließgewässer im Einzugsgebiet der Aller wurde auch die Fuhse zugunsten der menschlichen Nutzung ausgebaut sowie begradigt und wird heute als erheblich verändertes Gewässer eingestuft. Seit einiger Zeit findet jedoch ein Umdenken statt und an einigen Stellen werden natürliche Prozesse und die Ausbildung kleinräumiger, naturnaher Strukturen zugelassen. Bei Fischbestandserhebungen in der Fuhse konnten be­reits junge Individuen der anspruchsvollen Fischart Barbe nachgewiesen werden. Trotz dieser positiven Nachweise wurde jedoch bei einer Gewässerkartierung festgestellt, dass der für die Fortpflanzung und das Überleben vieler Fischarten so wichtige Kiesanteil in der Gewässersohle und die Menge an Totholz im Gewässer unnatürlich gering sind. In enger Zusammenarbeit mit dem Unterhaltungsverband Fuhse-Aue-Erse und der Stadt Celle sowie mit Einwilligung der Gewässer- und Flächeneigentümer konnte nun auf einer Gewässer­strecke von über 120‍ m die Lebensraumvielfalt im und am Gewässer wieder verbessert und Kieslaichplätze für die Barbe und weitere in Niedersachsen gefährdete Fischarten geschaffen werden.

An der Maßnahmenstrecke waren am westlichen Ufer große Teile alter Weiden abgebrochen. Sie lagen stellenweise im Gewässer und sollten entfernt werden. Wichtige Unterstände für die Fischfauna und Lebens­räume für Gewässerlebewesen drohten verloren zu gehen. Nach Absprach mit der Stadt Celle und dem Unterhaltungsverbandes Fuhse-Aue-Erse war es möglich, Teile dieser Weiden als Raubaum im Gewässer zu verankern. Lenkbuhnen aus Stammholz helfen die weitere Entwicklung der entstandenen Strukturen wie Kolke und durchspülte Unterstände zu unterstützen. Mit insgesamt 117 Tonnen Kies wurden zusätzlich mehrere Kiesbänke an­ge­legt. Fünf in der Böschung verankerte Stammhölzer lenken nun die Strömung auf die eingebauten Kiesbänke und verhindern zum einen, dass sich feine Sedimente auf den Kiesbetten ablegen, und zum anderen unterstützen sie eine natürliche Pen­deI­bewegung des Gewässers. Natürliche Bedingungen eines mäandernden Flusses, wie Strömungs- und Tiefenvielfalt, werden dadurch nachgeahmt und es entsteht eine Vielzahl kleiner Lebensräume, die von Fischen, aber auch von Klein­lebe­wesen genutzt werden können. Die aus dem Weidenrückschnitt ge­won­ne­nen Raubäume wurden parallel zum Ufer verankert und bieten mit ihrem verzweigten Geäst Unter­schlupf für Jung- und Kleinfische. Um die Beschattung des Gewässers zu verbessern, wurde an mehreren Uferstellen die Grasnarbe entfernt, um eine na­tür­li­che Ver­brei­tung von Gehölzen zu fördern. Ergänzt wurde die Gehölz­ent­wicklung mit einer Initialpflanzung von neun Schwarzerlen. Der Einbau der Strukturen im Gewässer erfolgte im Niedrigwasserbereich und hat keinen Einfluss auf den ordnungsgemäßen Hochwasserabfluss.
 
„Ursprünglich war die Umsetzung dieser Maßnahme bereits für den November 2019 geplant. Die andauernd hohen Wasserstände haben uns allerdings einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Wir sind sehr froh, dass wir diese Maßnahme noch umsetzen konnten bevor im Frühjahr die laichenden Fischarten aus der Aller in die Nebengewässer aufsteigen“, berichtete Sören Brose, Fischereibiologe der Aktion Fischotterschutz e.V. Auch Steffen Hipp, Verbandsingenieur des Unterha­ltungs­ver­bands Fuhse-Aue-Erse, zeigte sich zufrieden mit der abgeschlossenen Maßnahme: „Die Umsetzung dieser Revitalisierungsmaßnahme und die enge Kooperation mit der Aktion Fischotterschutz zeigen ganz deutlich, dass sich Gewässerunterhaltung und Naturschutz nicht ausschließen müssen. Mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit kann gemeinsam eine positive ökologische Gewässerentwicklung gefördert werden“.

Das Projekt „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ ist ein Naturschutzprojekt der Aktion Fischotterschutz e.V. Ziel des Projektes ist es, durch die Verbesserung der Gewässerstrukturen neue Lebensräume für die selten ge­wor­de­ne Fischart Barbe im Einzugsgebiet der Aller zu entwickeln und die biologische Vielfalt insgesamt im Gewässer zu fördern. Die Umsetzung der Natur­schutz­maß­nah­men erfolgt in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren. Begleitet wird sie durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen Menschen für die heimischen Fischarten und für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisiert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Natur­schutz im Rahmen des Bundespro­gramms Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundes­um­welt­mi­nis­te­ri­ums und des Landes Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.

 

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