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Neue Naturschutzmaßnahme an der Aller

Dritte Revitalisierungsmaßnahme an der Aller.

Zusammen mit den Anliegern (v.l.n.r.) Bastian Ehrhardt, Gut Brenneckenbrück, Stefan Hölter, Untere Naturschutzbehörde Gifhorn, Anke Willharms, Aktion Fisch- otterschutz, und Christian Lampe aus Neubokel wurde die Maßnahme an der Aller besichtigt (© Aktion Fischotterschutz e.V.). 

Die Aktion Fischotterschutz e.V. hat im Rahmen des Projektes „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ eine dritte Revitalisierungs­maß­nah­me an der Aller bei Neubokel im Landkreis Gifhorn umgesetzt. 

Bei Neubokel wurde die Aller zum Teil sehr breit ausgebaut. Der Fluss ist charakterisiert durch steile Ufer, fehlende natürliche Strukturen, geringe Fließgeschwindigkeit und eine hohe Sandfracht. Die Lebensraumvielfalt für die aquatischen Lebewesen ist hier sehr gering. Das zeigte auch eine Be­fischung vor der Maßnahmenumsetzung. Hier konnte festgestellt werden, wie äußerst arten- und individuenarm der Streckenabschnitt ist.

Um die Struktur- und Lebensraumarmut in dem monotonen Fluss zu ver­bes­sern, wurden auf rund 220m Länge naturnahe Strukturelemente eingebaut. Damit das große Profil partiell eingeengt wird und Strömungsvarianzen ent­ste­hen, wurden beidseitig Stammhölzer und einzelne Raubäume auf die Sohle gelegt, eingebaut und befestigt. Hierdurch werden Breiten- und Tie­fen­varianzen, Kolke und Flachwasserzonen, entwickelt. Dies sind beides wichtige Lebensräume, die in jedem naturnahen Fluss vorkommen. Die Raubäume, komplette Bäume mit Krone, bilden hierbei wichtige Unterstände und Strömungschatten für die Fischfauna und einen Lebensraum für viele Kleinstlebewesen. Zusätzlich wurden mehrere Wurzelstubben in die Aller eingebracht und befestigt. Auch Wurzeln bilden wichtige Mikrohabitate für viele Lebewesen. 

Zwischen den Raubäumen, dort wo es am schnellsten fließt, ergänzt ein Kiesbett die Maßnahme. Kies ist ebenfalls ein natürlicher Bestandteil eines jeden Fließgewässers und bildet wichtige Laichhabitat, wie z.B. für die Barbe. Gleichzeitig bildet das Kieslückensystem Lebensraum für unzählige Insektenlarven. Die Maßnahmen wurden im Niedrigwasserbereich umgesetzt und werden bereits bei mittleren Wasserständen überspült.

Die Maßnahme wurde in Kooperation mit dem Unterhaltungsverband Oberaller umgesetzt und vorab mit den Behörden und den angrenzenden Flächeneigentümer abgestimmt. 

Bereits zwei Maßnahmen wurden an der Aller in Neubokel umgesetzt, sodass mit einem weiteren Trittsteinbiotop die Entwicklung an diesem Gewässer wie eine Perlenschnur flussaufwärts fortgesetzt wird. Wo vorher die Aller unnatürlich träge floss, sorgen die eingebrachten Strukturen nun für langsam und schneller fließende Bereiche, für unterschiedliche Breiten und Tiefen und damit für mehr Lebensraumvielfalt im Gewässer. 

„Ich freue mich sehr, dass die Anlieger bei dieser Entwicklung mitgehen und so die Aller wieder ein wenig naturnäher entwickelt wird, ohne die Nutzung zu beeinträchtigen. Ohne die Akzeptanz und Unterstützung der Anlieger ist dies nicht möglich“, erläuterte Anke Willharms von der Aktion Fischotterschutz. 


Das Projekt „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ ist ein Naturschutzprojekt der Aktion Fisch­ot­ter­schutz e.V. Ziel des Projektes ist es, durch die Verbesserung der Gewässerstrukturen neue Lebensräume für die selten gewordene Fischart Barbe im Einzugsgebiet der Aller zu entwickeln und die biologische Vielfalt insgesamt in und an den Gewässern zu fördern. Die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen erfolgt in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren. Begleitet wird die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen den Menschen für die heimischen Fischarten und für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisiert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Natur­schutz im Rahmen des Bundes­pro­gramms "Biologische Vielfalt" mit Mitteln des Bundes­um­welt­mi­nis­te­ri­ums und dem Land Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.