Ziele und Maßnahmen

Ziele und Maßnahmen des GrünlandVielfalt-Projekts
 

Von 2022 bis 2028 sollen die Pflanzendiversität und auch die Artenvielfalt der nachfolgenden trophischen Ebenen wie In­sek­ten und Vögeln auf vereinseigenen Grünlandflächen erhöht werden. Wir wollen dies über die Anlage und Pflege von drei Real-Laboren erreichen. In den „Real-Laboren“ soll die Umsetzung von großflächigen Experimenten unter realen Be­din­gun­gen in Kooperation zwischen Wissenschaft, Naturschutz und Landwirtschaft erprobt werden. Jedes Real-Labor bringt neue Artenvielfalt in die Landschaft. Auf diese Weise wird die Stärkung von Ökosystemleistungen von artenreichem Grünland wie Bestäubung und natürliche Schädlingsbekämpfung angestrebt. Zusätzlich sollen die Retentionsfähigkeit und die Spei­che­rung von Kohlendioxid zum Klimaschutz durch die Maßnahmen erhöht werden.


Weiterhin wird eine Verbesserung der sozioökonomischen Situation der Grünlandbewirtschafter*innen angestrebt. Bei einer bestehenden Bereitschaft, Biodiversität und Ökosystemleistungen zu „produzieren“ wird dieses mit Prämien ho­no­riert, die im Rahmen des Projekts entwickelt werden. Durch eine höhere Wertschätzung für die Unterhaltung und Pflege von artenreichem Grünland hoffen wir die Zufriedenheit der Bewirtschafter zu steigern.


Zusätzlich soll das Naturschutzbewusstseins der Bewirtschafter*innen, aber auch der Bewohner*innen der Region ver­bes­sert werden. Weiterhin streben wir an, (angehende) Landwirt*innen mit Vorträgen und Schulprogrammen über die öko­lo­gi­schen Maßnahmen und Hintergründe zu informieren. Eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit über verschiedene Me­di­enkanäle begleitet das Projekt.

 

Ökologische Maßnahmen

Es sind folgende Real-Labore geplant:

 

1. Ansaat-Labor

Es ist eine Wiederherstellung von artenreichem Grünland durch Ansaat mit RegioSaatgut (18,36 ha) geplant, ergänzt durch Mahdgutübertragungen (20,6 ha) im späteren Projektverlauf. Fragestellungen der Biodiversitätsforschung sollen be­ant­wor­tet werden (Artenvielfalt, Nährstoffversorgung, Ertragsparameter), indem regelmäßig relevante Parameter untersucht und gemessen werden.

 

Es werden zwei unterschiedliche Labore getestet, dabei sollen im „Dünge-Labor“ folgende Frage beantwortet werden: Kann artenreiches Saatgut die Biodiversität steigern und den Ertrag bei reduzierter Düngung kompensieren?

 

Im „Reihenfolge-Labor“ wird folgende Fragestellung bearbeitet: Welchen Einfluss hat die Ansaat-Reihenfolge verschiedener funktioneller Gruppen von Pflanzen auf die Produktivität und Kohlenstoffspeicherung?

 

2. Vernässungs-Labor

Durch Rücknahme der Entwässerung, Uferabflachungen und Anlage von Flutmulden (10 ha) ist die Wiederherstellung von Feucht-Grünland vorgesehen. Im Projektverlauf sollen auf diesen Flächen die Artenvielfalt sowie die Wasser- und Koh­len­stoff­speicherung untersucht werden.

 

3. Vernetzungs-Labor

Es werden Korridor- und Trittsteinbiotope eingerichtet (=10 km Länge und 10 m Breite), um die Ansaat- und Vernässungs-Laboren (10 ha) besser zu vernetzen. Die Biotopvernetzung soll durch Unter­su­chun­gen der Artenvielfalt und Häufigkeiten dokumentiert werden. Dabei liegt ein Fokus auf dem Austausch von Arten zwischen den entstandenen Lebensräumen – blüten- und artenreiches Grünland und Feucht- bzw. Nassstellen in Form von Flutmulden o.ä.

 

Sozioökonomische Maßnahmen

Die Arbeiten sollen nach der Methode der Reallabore in Kooperation von Wissenschaft, Naturschutz und Landwirtschaft als Modell für andere Regionen erfolgen. Der erhöhte Aufwand und der fehlende Ertrag während der Maßnahmenumsetzung werden erfasst und stellen Grundlage der neu zu entwickelnden Zulage dar. So soll eine mosaikartige Bewirtschaftung auf kleineren Parzellen ermöglicht werden, die entsprechend der ökologischen Vorteile mit unterschiedlichen Leistungs­prä­mien versehen sind. Alle Maßnahmen werden nach wissenschaftlichem Design umgesetzt und anschließend evaluiert.

 

Öffentlichkeitsarbeit

Während der Projektlaufzeit werden wir kontinuierlich über die umgesetzten Maßnahmen und Ergebnisse in Medien wie Zeitung, Radio und Social-Media berichten, außerdem versenden wir in regelmäßigen Abständen ein Newsletter an direkt Beteiligte. Die besondere Bedeutung von Grünland wird bei lokalen Veranstaltungen vermittelt und bei Grünland­festen sollen Bewirtschafter und lokale Bevölkerung miteinander in Kontakt gebracht werden. Dieses soll unter anderem mithilfe einer „Grünlandmosaik-Plattform“ umgesetzt werden, wodurch außerdem eine Vernetzung der Be­wirt­schaf­ter­*innen gefördert wird und andere Nutzer mit digitalen Karten Informationen über die Eigenschaften und Besonderheiten der Projektflächen erhalten können. Hiermit sind Einblicke in bestimmte Teilflächen des Projektgebiets möglich. So streben wir an, die Unterschiede und Besonderheiten einzelnen Flächen vorzustellen, damit Nutzer die Bedeutung der dort ge­plan­ten Maßnahmen besser nachvollziehen können. Weiterhin können Landwirt*innen direkt in Verbindung miteinander treten und kommunizieren. Ergänzend werden jährliche Grünland-Entdecker-Fahrradtouren angeboten, bei der die vereins­ei­genen Grünlandflächen und die Maßnahmen vorgestellt werden. Auf der Webseite des Projektes werden wir aktuelle Maß­nahmen und Veranstaltungen unter dem Punkt „Aktuelles“ zeitnah für Interessierte vorstellen.

 

Umweltbildung

Durch Schulprogramme planen wir angehenden Landwirt*innen an Agrarschulen Artenkenntnisse zu vermitteln und für die Bedeutung von Grünland zu sensibilisieren. Mit Schulklassen aus dem Agrar- und Ernährungssektor sollen Programme ent­wickelt und durchgeführt werden. Außerdem werden mehrerer Kurzfilme zum Einsatz bei Lehr- und Fach­ver­an­stal­tun­gen produziert. Durch diese Filme, sowie Beiträge auf Social-Media-Kanälen und einem YouTube-Kanal sollen die Pro­jekt­inhalte über digitale Medien den Zielgruppen anschaulich dargestellt werden. Zusätzlich werden wir verschiedene Work­shops bilden, um Landwirt*innen und der lokale Bevölkerung Artenkenntnisse zu vermitteln.

 

Evaluation

Um die Entwicklung des Projektes bewerten zu können, wird es von natur- und sozialwissenschaftlichen Un­ter­su­chun­gen begleitet. Der Erfolg der ökologischen Maßnahmen wird als Vorher-Nachher-Vergleich durch eine externe Eva­lu­ie­rung bewertet. Dabei findet eine kontinuierliche prozessbegleitende Datenerhebung der Pflanzen-, Schmetterlings- und Vo­gel­diversität im Projektgebiet statt. Für die sozio-ökonomischen Maßnahmen werden ebenfalls Vorher-Nachher-Daten genutzt, diese werden zu zwei Zeitpunkten im Projektverlauf ermittelt.

 

Nach oben