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Naturschutz und BNE

Ergebnisse

Globles Lernen

Ergebnisse des Workshops „Naturschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung – Teil 2: Ziele, Strategien und Perspektiven für Globales Lernen“

23.09. – 26.09.2007 im Bundesamt für Naturschutz – Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm

1. Einleitung

Globales Lernen wird als pädagogische Antwort auf die derzeitigen gesellschaftlichen, sozio-kulturellen, ökologischen und ökonomischen Entwicklungsprobleme in der „Einen-Welt“ verstanden. Die Wurzeln dieses Konzeptes liegen in der entwicklungspolitischen und interkulturellen Bildung, der Friedenserziehung und der Umweltpädagogik der 1950er Jahre. Im Gegensatz zu früheren Formen entwicklungspolitischen Lernens ist Globales Lernen jedoch seit den 1990er Jahren dadurch gekennzeichnet, dass gesellschaftliche Entwicklungsfragen nicht nur in der so genannten “Dritten Welt” lokalisiert werden, sondern im Zusammenhang weltgesellschaftlicher Strukturen (Globalisierung) gesehen werden. Globales Lernen ist dabei inhaltlich und methodisch ganzheitlich orientiert, d. h. Themen wie Menschenrechte, Armut, globale Gerechtigkeit, Bildung, Bewirtschaftung und Schutz der natürlichen Ressourcen, Klimaentwicklung, Rückgang der Biodiversität sowie Friedensarbeit sollen fächerübergreifend vermittelt werden. Dabei werden Wechselwirkungen zwischen der lokalen Lebenswelt und globalen Prozessen aufgezeigt und Kompetenzen für eine nachhaltige Lebensgestaltung und demokratische Mitbestimmung im Sinne der Agenda 21 und der weiteren Beschlüsse der Weltkonferenz Rio de Janeiro 1992 vermittelt.

Gleichwohl ist es schwierig, Globales Lernen näher zu umschreiben, da der Gegenstand, mit dem sich Globales Lernen auseinandersetzt, die Entwicklung einer humanen und lebenswerten Weltgesellschaft, sehr komplex und auch widersprüchlich ist. Trotz unterschiedlicher Entstehungsgeschichten sind in diesem Anspruch und in den Zielen Übereinstimmungen mit der Natur- und Umweltbildung (NUB) und insbesondere mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu erkennen. So beziehen sich alle Konzepte auf die Weltkonferenz von Rio de Janeiro 1992.

2. Fragestellung

Der Workshop sollte klären, inwieweit sich die drei Bildungskonzepte, Globales Lernen, Natur- und Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung, voneinander unterscheiden und wo inhaltliche und methodische Schnittmengen existieren, um strategische Allianzen zu bilden, die die gesellschaftliche Position der Konzepte stärken. Gleichzeitig sollte herausgearbeitet werden, welchen Stellenwert Naturschutz und Umweltbildung innerhalb des Globalen Lernens sowie der BNE haben und wie ihre Bedeutung zukünftig verbessert werden kann. Rund 50 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Globales Lernen, Entwicklungszusammenarbeit, Naturschutzverwaltung, Natur- und Umweltbildung und Erwachsenenbildung kamen auf die Insel Vilm (bei Rügen). Sie beteiligten sich mit Vorträgen und diskutierten in Ideen-Werkstätten, um den begonnenen Diskurs über die Weiterentwicklung der an Nachhaltigkeit orientierten Bildungskonzepte gemeinsam weiter zu führen.

3. Ergebnisse

Aus den theoretischen Ausführungen und an den praktischen Beispielen wurde deutlich, dass sich trotz der unterschiedlichen Historie der Bildungskonzepte und vielfältiger Einflüsse sich für die Bildungspraxis inhaltsgleich Schnittmengen ergeben, aber auch voneinander abweichende Themenschwerpunkte. Alle drei Konzepte stellen keine fertigen und abgeschlossenen „Produkte“ dar, sondern sind ständig in der Weiterentwicklung begriffen und reagieren damit auch auf Herausforderungen, die sich aus der Globalisierung ergeben.

Das Globale Lernen weist inhaltlich und methodisch große Schnittmengen mit der BNE auf. Im Mittelpunkt stehen soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, beteiligungsorientierte Politikgestaltung und ökologisches Gleichgewicht. Globales Lernen bedient sich dabei vor allem handlungsorientierter Methoden, die Perspektivenwechsel und interkulturelle Kommunikation ermöglichen, Orientierung in komplexen Zusammenhängen vermitteln und tendenziell alle menschlichen Erfahrungsdimensionen ansprechen. Globales Lernen möchte ähnlich wie BNE durch den Erwerb von Wissen, Motivation und ethischer Orientierung und durch die Anregung entsprechender Lernprozesse Menschen dazu befähigen, an der Gestaltung der Weltgesellschaft aktiv und verantwortungsvoll mitzuwirken und im eigenen Lebensumfeld einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Entwicklung zu leisten.

Viele Institutionen und Einzelpersonen, die im Bereich der Natur- und Umweltbildung (NUB) aktiv sind, befinden sich ebenfalls in einem Wandlungsprozess und richten ihre Bildungsziele und –methoden an der BNE aus, ohne jedoch ihre Herkunft in Frage zu stellen. Originale Naturbegegnung wird sowohl für die Entwicklung der kindlichen Psyche als auch für die späteren Aktivitäten der Lernenden als sehr hilfreich angesehen, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur einzuüben. NUB kann wichtige Beiträge sowohl inhaltlicher als auch methodischer Form dafür liefern, das BNE-Konzept, das in weiten Bereichen der Schul- und Hochschullandschaft noch nicht angekommen ist, zu popularisieren und zielgerichtet mit Inhalten zu füllen. Wo immer möglich müssen in der NUB die häufig betrachteten Phänomene des Nahbereichs noch stärker als bisher mit globalen und interkulturellen Bezügen verknüpft und mit einer globalen (Gerechtigkeits-)Perspektive zu einem ganzheitlichen Bild zusammenführt werden.

Mit der Umsetzung des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD), der Vorbereitung der Vertragsstaatenkonferenz zur CBD im Mai 2008 in Bonn („UN-Naturschutzkonferenz“) und der Realisierung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Kooperation von Natur- und Umweltbildung und Globalem Lernen. Im internationalen Kontext hervorzuheben ist die Entwicklung und Realisierung der Globalen Bildungs-Initiative CBD-CEPA (Communication, Education and Public Awareness; dt.: Kommunikation, Bildung und öffentliche Bewusstseinsschärfung). Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) erkennen die Vernetzung mit anderen Akteuren und Konventionen, insbesondere mit der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, als notwendigen Bestandteil des internationalen CEPA-Prozesses wie auch der Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie an und unterstützen diese Prozesse.

4. Zukünftige Entwicklungen

Es wurde festgestellt, dass die formale Bildung noch zu sehr an fachspezifischen und wissenschaftstheoretischen Inhalten festhält. Die Kompetenzen, wie sie in den Konzepten der NUB, des Globalen Lernens und der BNE formuliert wurden, finden sich nur in Ansätzen in Lehrplänen und Rahmenrichtlinien wieder. Von den theoretischen Erwägungen in curricularen Vorgaben bis hin zur flächendeckenden Umsetzung in die formale Bildungspraxis der Schulen und Hochschulen ist es noch ein weiter Weg.

  • Die Bildungsinhalte und die didaktischen Methoden in der Elementarbildung, im formalen Bildungssystem, in Volkshochschulen und anderen Bildungsträgern sollten auf BNE ausgerichtet und aufeinander abgestimmt werden.

  • Schulisches und außerschulisches Lernen müssen stärker miteinander verknüpft werden, dabei muss sich der Habitus von „Schule“ verändern. Beispielsweise sollten offene Formen des Lernens (z. B. Projektarbeit, jahrgangsübergreifend) intensiver als bisher ermöglicht werden. Eine Öffnung der Schulen hin zur Gesellschaft kann beispielsweise durch Kooperationsprojekte mit Verwaltungen und der lokalen Agenda 21-Arbeit geschehen.
  • In Schulen, Hochschulen aber auch außerschulischen Bildungseinrichtungen sollten vernetztes Lernen sowie fächer- und fachwissenschaftsübergreifendes Lernen und Arbeiten stärker als bisher praktiziert werden. Dabei sollten die Lernenden aus ihrer Lebenswirklichkeit (Lebensstile, Werte, Mitwelt) heraus Fragestellungen möglichst selbst gesteuert entwickeln und bearbeiten. Ein kritischer Umgang mit Informationen, Informationsquellen und Medien sollte eingeübt werden.
  • Die Bildungs- und Kultusministerien im Bund und in den Ländern sind gefordert, den Absichtserklärungen zur weitergehenden Integration der pädagogischen Konzepte BNE, Natur- und Umweltbildung sowie des Globalen Lernens auch Taten folgen zu lassen und Ressourcen bereit zu stellen.
  • Die präsentierten Beispiele aus der Bildungspraxis zeigen, dass außerschulische Bildungseinrichtungen flexibel auf die neuen Herausforderungen reagieren und relativ schnell ihre Angebote an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden sowie an den Anforderungen des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung ausrichten können. In den Projekten gelingt die Integration der unterschiedlichen Bildungskonzepte immer dann besonders gut, wenn Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen vernetzt werden und ihre Kompetenzen zugunsten eines gemeinsamen Produkts einbringen.
  • Originalbegegnung mit externen Expertinnen und Experten („echten Menschen“) sowie an außerschulischen Lernorten („raus in die Natur“) ermöglichen (Authentizität).Wichtig sind Erlebnisse vor Ort, projektartiges Lernen und interkulturelle Begegnungen. Dabei darf die Elternarbeit nicht vergessen werden (gilt für alle Bildungseinrichtungen).
  • In der BNE sollte die Förderung eines moralisch-ethischen Bewusstseins (Mitmenschen, Mitwelt, kommenden Generationen) verankert und empathische Erfahrungen ermöglicht werden. Hierzu kann die Natur- und Umweltbildung einen qualifizierten Beitrag leisten. Darüber hinaus sollten auch künstlerisch-ästhetische Zugänge gestärkt werden, denn lernen ist weit mehr als das, was sich im Kopf abspielt.

  • Der Austausch zwischen Globalem Lernen und NUB sowie der Diskurs zur BNE müssen noch stärker als bisher gefördert werden. Dies kann durch gemeinsame Projekte (in Schulen, Kindergärten, an Hochschulen und in der freien Bildungsarbeit), Tagungen, Weiterentwicklung von Konzepten oder institutionalisierten Informationsaustausch geschehen. Dabei sind die Chancen, die in der Förderung des informellen Lernens liegen, ausdrücklich zu integrieren.
  • Darüber hinaus können Kooperationsverbünde als Voraussetzung für finanzielle Förderungen entwickelt werden. Eine Kooperation zwischen Globalem Lernen, NUB und BNE stärkt alle Seiten („Akteure“). Der Blick „über den Tellerrand hinaus“ und das Vernetzen mit anderen Menschen und Institutionen sollte auf allen Seiten gefördert werden. Diese Erkenntnis sollte im Rahmen der UN-Dekade institutionalisiert werden.
  • BNE kann auch als Strategie für die Organisationsentwicklung ausgebaut werden. Das heißt, es sollte nicht nur eine Abteilung in einer Organisation, z. B. Umweltbildung, mit diesem Thema befasst sein. Die gesamte Organisation sollte den Zielkanon „nachhaltige Entwicklung“ zum eigenen Leitbild definieren und alle Handlungen daran ausrichten. Alle Mitarbeitenden und die Leitung sollten (abteilungsübergreifend) in den Schlüsselkompetenzen geschult und mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung vertraut gemacht werden, um diese umzusetzen (individuell, institutionell und gesellschaftlich). Dabei sind Schnittstellen zu anderen Organisationen (Verbände, Schulen, NGO) zu suchen, um Parallelarbeit zu vermeiden und Synergien zu nutzen.

Die Workshopreihe wird in Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) fortgesetzt mit dem Thema: „Naturschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung“ - Teil 3: Ziele, Strategien und Perspektiven für außerschulische Lernorte“ vom 16.06. – 18.06.08 im OTTER-ZENTRUM Hankensbüttel.

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