Otterzentrum Hankensbüttel
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Otterernährung

Otterernährung

Otterernährung in Gehegehaltung

Optimierung der Haltung einer bedrohten einheimischen Säugetierart am Beispiel der Ernährung des Eurasischen Fischotters (Lutra lutra)

Einleitung

Aufgrund der akuten Bedrohung im Freiland werden Fischotter weltweit in zoologischen Einrichtungen, in Verbindung mit speziellen Zuchtprogrammen, gehalten. Die Gehegehaltung des Fischotters weist jedoch eine Vielzahl von Problemen auf. Die Zahl der gehaltenen Tiere, bei denen sich die der Herkunftsort zurück verfolgen läßt, um sie für die Zucht zu verwenden, ist relativ gering. Nur wenige Institutionen sind in der Lage, regelmäßig nachzuzüchten. Hinzu kommt ein niedriges durchschnittliches Lebensalter und das häufige Auftreten von ernährungsbedingten Krankheiten.

So erkranken 69% der Gehegeotter an Nierensteinen! Aber Tiere aufgrund von falscher Fütterung zu verlieren ist sowohl vom Artenschutzstandpunkt, als auch aus Sicht des Tierschutzes nicht akzeptabel. Eine Verbesserung dieser schlechten Situation ist nur durch eine Optimierung der Haltung zu erreichen, wobei die Fütterung eine sehr wichtige Rolle spielt. Sie beeinflusst ganz wesentliche Faktoren wie Aktivität, Wachstum, Gesundheit, Reproduktion und Überleben der Tiere. Eine ideale Ernährung ist essentiell um diese Faktoren im Optimum zu halten.

Ziel

Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung eines optimalen Diätplanes für Fischotter in der Gehegehaltung zur Verbesserung des Reproduktionserfolges, der Lebensdauer und der Gesundheit dieser Tiere.

Methoden

Um einen optimalen Diätplan entwickeln zu können, wurde der Energie- und Nährstoffbedarf sowie die Verdaulichkeit mittels Kotsammlung und Nährstoffanalyse unter verschiedenen Diäten untersucht. Des weiteren wurde die Nährstoffaufnahme der Tiere in freier Natur mittels Literaturrecherche ermittelt. Diese Nährstoffaufnahme wurden mit der Nährstofffütterung der Gehegehaltung verglichen, welche über eine Umfrage in otterhaltenden Institutionen in Erfahrung gebracht wurde. Ob sich die Entwicklung von Nierensteinen durch die Nahrung beeinflussen lässt und welche Risikofaktoren die Erkrankung begünstigen, wurde durch Urinanalysen, gesammelt unter verschiedenen Diäten, geklärt.

Des weiteren wurde untersucht, ob Otter unter Gicht leiden können, was beim Menschen oft mit dem Stoffwechseldefekt, welcher die Nierensteinbildung begünstigt, einhergeht. Um Empfehlungen für die Vitamin- und Mineralstoffgabe für den Otter geben zu können, wurde der Mink (Amerikanischer Nerz) als ernährungsphysiologisches Modelltier für den Fischotter evaluiert. Für den Mink existiert eine Vielzahl an Ernährungsrichtlinien, welche, bei Vergleichbarkeit der beiden Arten, für den Otter übernommen werden könnten. Hierfür wurden die Parameter Verdaulichkeit, Darmpassagezeiten sowie die Darmlänge herangezogen.

Ergebnisse

Bei den Untersuchungen zum Energiebedarf der Otter stellte sich heraus, dass dieser sehr viel höher ist, als von einem Säugetier im Mittel zu erwarten wäre. Dabei unterscheidet sich der Bedarf von Rüden und Fähen sehr stark, was Ausdruck des Geschlechtsdimorphismus ist. Im saisonalen Verlauf schwankt die Energieaufnahme nur wenig.

Die noch ausstehenden Ergebnisse zum Bedarf an umsetzbarer Energie, welche durch Bombenkalorimetrie von Urin und Kot ermittelt werden, werden es möglich machen, die Empfehlung für bestimmte Futtermittel noch exakter zu gestalten.

Der Vergleich zwischen der Nährstoffaufnahme von Ottern in freier Natur und der von Tieren in Gehegehaltungen ergab eine Differenz zwischen einigen Nährstoffen wie z.B. der Proteinaufnahme. Somit wird im zu erstellendem optimalen Diätplan für die Gehegehaltung die Nährstoffgabeempfehlung in Richtung der im Freilandwerte angepasst.

Die Ergebnisse der Verdaulichkeitsuntersuchung sowie die Versuche zum Nährstoffbedarf erlauben die gezielte Auswahl bestimmter Futtermittelzusammenstellungen, welche die Bedürfnisse der Tiere voll erfüllen. Die Evaluation des Mink als Modelltier macht die Übernahme der Nährstoffempfehlungen für den Otter mit Hilfe von Umrechnungsfaktoren möglich.

Durch diese Studie konnten nun auch die Risikofaktoren, welche zur Nierensteinentstehung beim Otter beitragen, ermittelt werden. Es hat sich herausgestellt, dass mit dem gezielten Einsatz von Futtermitteln der Entstehung der Steine vorgebeugt werden kann. Dass Fischotter trotz ihrer hohen Neigung zur Nierensteinbildung wenigstens nicht am Krankheitsbild der Gicht erkranken können, welches durch ähnliche Risikofaktoren wie die Nierensteinbildung ausgelöst wird, ist für die Tiere ein Glück!

Aus all diesen Ergebnissen wird nun ein neuer Otterernährungsplan entwickelt, welcher otterhaltenden Institutionen weltweit zur Umsetzung an die Hand gegeben wird. Somit kann die Otterhaltung verbessert werden und zum Schutz dieser hochgradig bedrohten einheimischen Säugetierart beitragen.

Bearbeiter

Dissertationsarbeit von Dipl.-Biologin Katrin Ruff
Dieses Projekt findet in Kooperation mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Institut für Zoologie (Prof. Stephan Steinlechner) und der Freien Universität Berlin, Institut für Tierernährung (Prof. Jürgen Zentek) statt. Des weiteren sind die Veterinärmedizinische Universität Wien, Institut für Ernährung, die Goethe Universität Frankfurt am Main mit ihrem Stoffwechsellabor (Leitung Dr. Adrian C. Sewell) und das Leibnitz - Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Astrid Günther-Weigl) an dem Projekt beteiligt.

Die Deutsche Otter Stiftung und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützen diese Arbeit finanziell.

Laufzeit

2004 bis 2007

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